Vollmacht zur Vorsorge

14. April 2016 - Medizin und Gesundheit

Rechtsanwalt Lutz Arnold, Experte für Kapitalanlagen und Vorsorgeverfügungen, warnt im Versicherungsmagazin Pfefferminzia vor zehn Fehlern beim Abschluss einer Vorsorgevollmacht.

  1. Wahl des falschen Rechtsinstitutes: Grundsätzlich sollte zwischen Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung unterschieden werden. Die Vorsorgevollmacht legt den Bevollmächtigten rechtsverbindlich fest. Das Gericht kann dann keinen staatlichen Betreuer mehr einsetzen. In der Betreuungsverfügung schlägt man vor, wer Betreuer werden soll. Dies obliegt aber dem Vorbehalt einer richterlichen Entscheidung. Insofern ist von einer Betreuungsvergütung abzuraten. Die Vollmacht ist die richtige Wahl.
  2. Das Formular stammt nicht vom Fachmann: Standarttexte aus dem Internet sollten nicht verwendet werden. Das Dokument sollte vom Notar verfasst sein: Der haftet dafür!
  3. Falsche Personen oder falsche Rangfolge: Es ist nicht ratsam, mehrere Personen gemeinsam zu ernennen (z.B. die Kinder).
  4. Nicht über den Tod hinaus denken: Wird in der Vollmacht nicht ausdrücklich erwähnt, dass sie über den Tod des Vollmachtgebers hinaus wirksam sein soll, besitzt die benannte Person keine Befugnisse nach dem Ableben.
  5. Es gibt Beschränkungen oder Lücken im Text: Die Vollmacht sollte immer unbeschränkt ausgestellt werden. So wird vermieden, dass der Vollmachtgeber einzelne Aktionen des Bevollmächtigten beauftragen muss.
  6. Unklarheit, ob der Arzt oder der Bevollmächtigte entscheiden soll: Viele Mustervollmachten lassen die letzte Entscheidung über das Abschalten medizinischer Geräte beim behandelnden Arzt. Der Bevollmächtigte sollte aber die letzte Entscheidung in Abstimmung mit dem Arzt gemeinsam treffen.
  7. Keine Aktualität der Dokumente: Die Kontaktdaten der eingesetzten Personen müssen aktuell gehalten werden. Sonst besteht die Gefahr, dass ein Arzt oder das Krankenhaus das Betreuungsgericht kontaktiert.
  8. Nur Originale gelten: Für unterschiedliche Institutionen und Behörden müssen Kopien der Vollmacht vorliegen.
  9. Haftung der Bevollmächtigten: Bevollmächtigte sind haftbar für Fehler bei Ausübung der Vollmacht (z.B. wenn sie Fristen verstreichen lassen). Dies kann ausgeschlossen werden.
  10. Keine echte Hinterlegung der Dokumente außer Haus: Die Dokumente sollten nicht nur zu Hause abgelegt werden. Wichtig ist es sicherzustellen, dass z.B. ein Krankenhaus im Notfall erfährt, dass eine Vollmacht existiert.

Artikel in Pfefferminzia vom 12.04.2016

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

0 Kommentare

zurück zur Übersicht

Kategorien

Blog abonnieren

Alle Artikel als RSS abonnieren.

Archiv